Robert Parker's The Wine Advocate

      The Wine Advocate (kurz auch TWA oder WA) ist ein Fachmagazin, das von Robert Parker, dem wohl einflussreichsten Weinkritiker der Welt, im Jahr 1978 gegründet wurde. Zunächst praktizierte der studierte Jurist mehr als zehn Jahre lang als Rechtsanwalt und stellvertretender Leiter der Rechtsabteilung einer Bank, bis er sich seiner Leidenschaft widmete – dem Schreiben über Wein.

      James Suckling

      Gründung und Wachstum des Wine Advocate

      Parker wünschte sich gut informierte Weinkonsumenten und eine unabhängige Instanz, die objektiv Weinbewertungen vornehmen sollte. Da es ein derartiges Organ nicht gab, ergriff Robert Parker selbst die Initiative. Zunächst bewertete er für den Wine Advocate insbesondere Jungweine aus Bordeaux, deren zukünftige Entwicklung er aufgrund von Fassproben abschätzte. Nach nur wenigen Ausgaben entwickelte sich The Wine Advocate dadurch zur geschätzten Lektüre anspruchsvoller Weinkonsumenten.

      Mit den Jahren haben sich die Verkostungen des Wine Advocate auf eine ganze Reihe weiterer Anbaugebiete ausgeweitet, sodass Parker schließlich nicht mehr jede Wein-Bewertung im Alleingang stemmen konnte. Mit einem Stab von kompetenten Mitarbeitern – dazu gehören aktuell unter anderem so arrivierte Weinkritiker wie Stephan Reinhardt oder Luis Gutierrez – bewertet das Journal neben den Weinen aus Bordeaux, mittlerweile auch Gewächse von der Rhône, aus der Provence, dem Elsass, Beaujolais, Burgund, Champagne, Languedoc-Roussillon und der Loire sowie aus Neuseeland, Australien und Südamerika, Portugal, Israel, Italien, Spanien, Österreich und Deutschland, und last but not least Oregon, Washington und Kalifornien in den USA.

      Während die anfängliche Zahl der Abonnenten der kostenlosen Broschüre von Robert Parker im August 1978 weniger als 600 betrug, besitzt The Wine Advocate heute über 50.000 zahlende Abonnenten weltweit. Durch diese Einnahmen konnte Robert Parker stets die journalistische Unabhängigkeit seiner Publikation garantieren, die bis heute komplett werbefrei ist. Im Jahr 2002 lancierte Robert Parker seine Interplattform robertparker.com, die in kürzester Zeit eine der meistbesuchten Webseiten zum Thema Wein geworden ist.

      Parkers 100-Punkte-System

      Neben der Verkostung und “Entdeckung” unzähliger Weine zählt die Etablierung des 100-Punkte-Systems zweifellos zu den großen Verdiensten Robert Parkers – mit seiner Skala hat er einem breiten Publikum den Zugang zum Thema Weinbewertung ermöglicht. Im Laufe der Jahre hat sich dieses analytische Schema nicht nur zum Standard der Weinkritik, sondern auch zu einem wichtigen Instrument des Weinmarketings entwickelt. Wie viele Punkte ein Wein bei Parker erhält, steht nicht nur in einem unmittelbaren Verhältnis zur Qualität des Weines, sondern hat auch enormen Einfluss auf seinen Verkauf sowie die Reputation des Winzers, oft gar des ganzen Anbaugebietes. Denn 100 Parker-Punkte sind besonders rar – manchmal erhalten nur eine Handvoll herausragender Weine eines Jahrganges diese außergewöhnliche Höchstbewertung.

      Wie wird bewertet?

      Jeder Wein wird durch das Team von Robert Parkers Wine Advocate nach demselben Prinzip verkostet, das sich aus vier Parametern zusammensetzt: Aussehen, Geruch, Geschmack und Gesamteindruck. Zunächst erhält jeder Wein 50 Basispunkte – darüber hinaus gibt es bis zu 5 Punkte für das Aussehen des Weines und bis zu 15 Punkte für den Geruch. Dazu kommen maximal 20 Punkte für den Geschmack und weitere maximal 10 Punkte für den Gesamteindruck.

      Während fehlerhafte Weine mit 50-59 Parker-Punkten bewertet werden, erhalten unterdurchschnittliche Weine mit klar erkennbaren Defiziten 60-69 Punkte. Ein fehlerfreier, durchschnittlicher Wein, der sich aber durch nichts Besonderes auszeichnet, ist 70-79 Parker-Punkte wert, während ein leicht überdurchschnittlicher Wein bis sehr guter Wein mit besonderer Finesse es auf 80-89 Punkte bringen kann. Für ein Rating von 90-95 Punkten braucht es einen großartigen Wein mit außergewöhnlichem Charakter und höchster Komplexität. Nur herausragende Weine, die alle Attribute eines klassischen Vertreters seiner Rebsorte und seines Typs in größter Komplexität widerspiegeln, werden mit 96-100 Parker-Punkten geadelt.

      Obwohl Robert Parker im Mai 2019 seinen Posten beim Wine Advocate aufgab und den Rückzug in den Ruhestand antrat, ist The Wine Advocate weltweit noch immer eine maßgebliche Referenz in der Weinbewertung. Heute gehört The Wine Advocate zu 100 Prozent dem renommierten Verlag Guide Michelin, in dessen Auftrag hochgradig erfahrene Sommeliers und Journalisten das Erbe Robert Parkers gewissenhaft fortführen. Neue Chefredakteurin des Wine Advocate ist bereits seit dem Jahr 2013 Lisa Perrotti-Brown, die in der Nachfolge Parkers nun auch die Weine aus Bordeaux, dem Napa Valley sowie Sonoma County verkostet und bewertet.