Karsten Peter, Winzer und Kellermeister von Gut Hermannsberg

Karge Böden, steile Weinberge und ein außergewöhnliches Mikroklima prägen die Nahe. Karsten Peter erzählt, wie diese Bedingungen charaktervolle Weine hervorbringen und weshalb Herkunft für ihn immer im Mittelpunkt steht.

Für Karsten Peter, Winzer und Kellermeister von Gut Hermannsberg, beginnt Balance nicht erst im Keller und endet auch nicht bei der Verkostung. Sie begleitet einen Wein von den ersten Mostproben bis zur gereiften Flasche. Dabei geht es ihm weniger um Perfektion als um Harmonie, Geduld und die Fähigkeit, den richtigen Moment zu erkennen. Eine Haltung, die nicht nur seine Weine prägt, sondern seine gesamte Philosophie. 

  • Das malerische Weingut

Die Suche nach dem richtigen Moment

"Mir ist Balance im Mundgefühl sehr wichtig", sagt er. Ob ein Wein wirklich stimmig ist, erkennt er deshalb nicht bei einer einzelnen Verkostung. "Wichtig ist, denselben Wein mehrfach mit zeitlichem Abstand zu verkosten und auch mal zu trinken, nicht immer zu spucken. Nur so bekomme ich einen kompletten Eindruck." Manchmal zeige sich diese Harmonie sogar schon im Most. "Das sind für mich immer besondere Jahrgänge."

Wer mit Karsten Peter über Herkunft spricht, landet unweigerlich in den steilen Weinbergen der Nahe. Für ihn zählt die Region zu den faszinierendsten Weinlandschaften Deutschlands. Enge Täler, schroffe Felsen, karge Böden und ein kühles Klima schaffen Bedingungen, die den Weinen ihren unverwechselbaren Charakter verleihen. "Die Nahe ist eine der kühlsten und vielleicht extremste Weinbauregion Deutschlands." Gerade die mineralreichen Böden und das besondere Mikroklima sorgen für jene Würze und Spannung, die er an den Weinen seiner Heimat so schätzt.

  • Die Nahe prägt den Charakter der Weine

Geduld statt schneller Erfolg

Die wohl prägendste Entscheidung seiner Laufbahn hatte weniger mit Innovation als mit Geduld zu tun. "Wir waren eines der ersten Weingüter, die ihre Spitzenweine erst nach fünf Jahren Flaschenreife auf den Markt gebracht haben." Für Karsten Peter beginnt genau dann jenes Trinkfenster, in dem die Weine ihr wahres Gesicht zeigen. Dieser langfristige Blick prägt bis heute die Philosophie von Gut Hermannsberg. Einen persönlichen Lieblingswein hat er dennoch nicht. "Jeder unserer Weine verdient die gleiche Aufmerksamkeit. Beginnend beim Gutswein bis hin zu den Grossen Gewächsen."

Auch seinen Blick auf Wein führt er nicht auf einzelne Personen zurück. Vielmehr versteht er Wein als lebenslangen Lernprozess. "Da gibt es viele Momente und viele Menschen. Und jedes Jahr kommen neue hinzu." Wein entwickle sich ständig weiter und dasselbe gelte für die Menschen, die ihn machen. Das Streben nach Perfektion gehöre dazu, auch wenn wahre Perfektion aus seiner Sicht nur die Natur selbst erreichen könne.

  • Handarbeit in den Reben verbindet

Zwischen Naturgewalt und Handarbeit

Romantische Vorstellungen vom Winzerberuf betrachtet Karsten Peter mit einer gewissen Skepsis. "Das Winzerleben hat nichts mit Romantik zu tun." Zwar arbeite man in einer spektakulären Landschaft, doch die Realität sei geprägt von harter Arbeit und der ständigen Abhängigkeit von der Natur. Frostnächte oder Hagel könnten innerhalb weniger Minuten die Arbeit eines ganzen Jahres zerstören. Umso wichtiger ist ihm die Arbeit direkt im Weinberg. Besonders gern erledigt er Tätigkeiten, bei denen er selbst Hand anlegen kann. "Vom Traktor aus ist der Einfluss auf die Qualität eines Jahrgangs gleich null."

Wenn Wein einmal keine Rolle spielt, verbringt er seine Zeit am liebsten mit seiner Familie. Seine Töchter stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Jagd. Neue Energie findet er im Pfälzerwald, beim Wandern oder auf der Pirsch. Dort findet er jene Ruhe, die auch seine Arbeit prägt. 

  • Jasper Reidel, Karsten Peter, Jens Reidel und Achim Kirchner (v.l.n.r.)
  • Die Handschrift der Zeit

    Am Ende wird deutlich: Für Karsten Peter entsteht großer Wein nicht durch spektakuläre Eingriffe, sondern durch Aufmerksamkeit, Geduld und den Respekt vor der Natur. Seine Weine sollen nicht laut sein, sondern Tiefe besitzen, Spannung erzeugen und mit der Zeit immer mehr von ihrem Charakter preisgeben.

Ping-Pong mit Karsten Peter

Kaffee oder Tee?

Tee

Berge oder Meer?

Berge

Spontan oder geplant?

Egal

Entscheidungen im Weinberg: intuitiv oder analytisch?

Beides

Mehr Spannung oder mehr Schmelz?

Spannung

Tradition bewahren oder neu interpretieren?

Das eine schliesst das andere nicht aus.

Kühle Eleganz oder mediterrane Kraft?

Kühle Eleganz mit Tiefe und Struktur

Solist oder Speisenbegleiter?

Solist

Lagerpotenzial oder Trinkfreude?

Beides hat seinen Reiz, am liebsten Lagerpotenzial mit Reife gleich Trinkfreude.

Barrique oder Edelstahl?

Das, was der Weinberg fordert.

Minimalismus oder Opulenz?

Minimalismus

Morgennebel oder Abendsonne?

Abendsonne

Reife Tannine oder vibrierende Säure?

Balance