Für Chrissy Wittmann steht Wein für weit mehr als Technik und Handwerk. Die Önologin von The Prisoner Wine Company erzählt von Menschen, die sie geprägt haben, und von der Leidenschaft hinter jeder Flasche.
Für Chrissy Wittmann, Önologin bei der The Prisoner Wine Company, beginnt ein großer Wein lange vor der Abfüllung. Er entsteht im Rebberg, im Keller und in zahllosen Entscheidungen, die über Monate hinweg getroffen werden. Im Zentrum steht dabei die Balance. "Der Moment, in dem wir sicher wissen, dass alles zusammenpasst, ist die erste Assemblage im März nach der Ernte. Doch bereits auf dem Weg dorthin haben wir ein sehr gutes Gefühl dafür." Jede Parzelle und jede Partie werde dabei wie ein eigenständiger Wein behandelt, bevor sie sich später zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen.
Die Weine von The Prisoner Wine Company vereinen die Stärken mehrerer kalifornischer Spitzenregionen. Neben Napa Valley spielen auch Sonoma County und die Sierra Nevada Foothills eine wichtige Rolle. Für Wittmann liegt die Besonderheit dieser Herkunft im Zusammenspiel von warmen Tagen und kühlen Nächten, das reife Frucht und lebendige Frische gleichermaßen ermöglicht. Hinzu kommen die vielfältigen Böden und Mikroklimata des Napa Valley. "Diese Herkunft verleiht unseren Weinen Nuancen, Komplexität und einen echten Ausdruck ihres Ursprungs."
Die wichtigste und zugleich mutigste Entscheidung trifft das Team jedes Jahr im Rebberg. "Der mutigste Moment ist die Entscheidung, wann wir die Trauben lesen. Sobald die Ernte beginnt, gibt es kein Zurück mehr." Wochenlang werden die Trauben verkostet und beobachtet, bis der ideale Zeitpunkt gekommen ist. Diese Entscheidung prägt den gesamten Jahrgang. Gleichzeitig zeigt sie, wie anspruchsvoll Weinbau tatsächlich ist. Jede Saison bringt neue Wetterbedingungen, neue Herausforderungen und neue Fragen mit sich. "Hinter jeder Flasche steckt ein Jahr voller Entscheidungen und Problemlösungen."
Besonders eng verbunden fühlt sich Wittmann mit dem Prisoner Red Blend. "Dieser Wein verlangt die größte Aufmerksamkeit, die meiste Hingabe und den stärksten Fokus." Kraft und Eleganz, Reife und Frische müssten dabei stets im Gleichgewicht stehen. Gerade diese Herausforderung mache den Wein so besonders. Einen ähnlich emotionalen Moment erlebt sie jedes Jahr, wenn der neue Wein erstmals ins Fass fliesst. "Nichts ist vergleichbar mit dem Duft, der den Raum erfüllt, wenn frischer Wein zum ersten Mal in die Barriques gelangt." Es sei die erste echte Begegnung mit dem Charakter des neuen Jahrgangs.
Geprägt wurde Wittmann vor allem von den Menschen der Weinwelt. Besonders John Munch habe ihre berufliche Laufbahn entscheidend beeinflusst und ihr gezeigt, dass Wein weit mehr ist als ein Produkt. Auch außerhalb des Weins findet sie Inspiration. Beim Camping in den Bergen oder an der Küste, beim Kochen mit Familie und Freunden sowie in der Musik. Besonders Musiker faszinieren sie, weil sie Emotionen transportieren und Menschen berühren können. Genau das möchte sie auch mit ihren Weinen erreichen: authentische Geschichten erzählen und Gefühle wecken.
Kaffee oder Tee?
Kaffee
Berge oder Meer?
Meer, knapp vor den Bergen
Spontan oder geplant?
Spontan
Entscheidungen im Rebberg: intuitiv oder analytisch?
Intuitiv, analytisch bestätigt
Mehr Spannung oder mehr Weichheit?
Balance, mit leichter Tendenz zu Spannung
Tradition bewahren oder neu interpretieren?
Neu interpretieren und weiterentwickeln
Kühle Eleganz oder mediterrane Kraft?
Kühle Eleganz
Solist oder Essensbegleiter?
Essensbegleiter
Reifepotenzial oder früher Genuss?
Reifepotenzial
Barrique oder Edelstahltank?
Barrique, aber nicht zu viele neue Fässer
Minimalismus oder Opulenz?
Minimalismus
Morgennebel oder Abendsonne?
Abendsonne
Reife Tannine oder lebendige Säure?
Balance, mit leichter Tendenz zur lebendigen Säure
Lieblingsessen mit passender Weinbegleitung?
Pizza. Dazu gerne Grenache, Rhône-Cuvées, Syrah oder Champagner.
Welcher Künstler begleitet Sie schon lange?
The Grateful Dead