Jahrgang 2024 der Großen Gewächse: geringe Erträge, aber herausragende Qualität. Ein Jahr voller Herausforderungen, das große Weine mit Tiefgang, Eleganz und Charakter hervorgebracht hat.
Der Jahrgang 2024 ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Witterungsbedingungen waren lokal extrem anspruchsvoll und haben sich regional recht unterschiedlich ausgewirkt. Für viele Winzer war der Jahrgang deshalb eine echte Herausforderung, doch mit der Qualität der Trauben für ihre Spitzenweine waren am Ende fast alle hoch zufrieden.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Großen Gewächse sehr deutlich von einer langen Vegetationsperiode profitiert haben, in der die Reben nie unter Trockenstress litten. Dadurch konnten die Trauben perfekt und homogen ausreifen und eine ansprechende Aromatik entwickeln. Viele Winzer erinnert der Jahrgang 2024, und unsere Vorverkostungen bestätigen diese Einschätzung, an die klassischen Weine der 1990er- und 2000er-Jahre – ausgestattet mit feiner Fruchtaromatik und reifer Säurestruktur bei moderaten Alkoholgehalten.
Erneut aber gibt es den großen Wermutstropfen der sehr geringen Erntemenge. Es scheint, dass dies die „neue Normalität“ werden könnte. Aus manchen Regionen kommen aufgrund des Frostes im April 2024 nur 20% bis 30% der Quantität eines normalen Jahrgangs. Andere Regionen kamen glücklicherweise etwas glimpflicher davon.
Nach einem milden Winter zeigten sich ab Februar sehr frühlingshafte Temperaturen, sodass die Blüte sehr früh – teilweise bis zu 14 Tage früher als im Jahresmittel – stattfand und so eine erhöhte Gefahr durch Spätfröste bestand. Die Wasserversorgung war optimal und weitaus konstanter als in vielen Jahren zuvor. Doch Ende April kam es zu den befürchteten Frostschäden, die für massive Ausfälle von bis zu 80% in den Rebbergen gesorgt haben. In einigen Toplagen waren zum Teil sogar 100% betroffen bzw. stark geschädigt, sodass es aus dem Jahrgang 2024 dort überhaupt keine Großen Gewächse geben wird. Hier sind beispielsweise die Weingüter Van Volxem (Saar) und Gut Hermannsberg (Nahe) zu nennen, die sich beide dazu entschlossen haben, keine GGs aus diesem Jahrgang abzufüllen. Dies ist eine neue Entwicklung, die in den letzten Jahrzehnten noch nicht zu beobachten war.
Die weitere Vegetationsperiode verlief dann harmonisch. Die Lese begann mehr oder weniger früh, dabei kam es wesentlich auf die sorgfältige Traubenselektion an den Stöcken an. Obwohl der Jahrgang 2024 also viele Herausforderungen mit sich brachte, beweist die außergewöhnliche Qualität der Weine, dass sich der Einsatz und die harte Arbeit schlussendlich ausgezahlt haben. Die Rieslinge begeistern bereits jetzt mit einer konzentrierten Frucht bei gleichzeitiger Leichtigkeit sowie feiner Eleganz und verheißen ein großes Potenzial. Ebenfalls auf den Markt kommen, werden die 2023er-Spätburgunder – und diese Rotweine sind schlichtweg umwerfend: Sie bestechen durch Saftigkeit, Frucht, Intensität und Länge. Hier gilt uneingeschränkt die Empfehlung: kaufen! Denn der Jahrgang 2024 wird auch hier nur sehr geringe Mengen bereithalten.