Meine Zeit als Assistant Winemaker in Neuseeland

        Von Mariano Zelada - Eigentlich arbeite ich seit Anfang 2018 als Önologe in der Berliner Mövenpick Wein Filiale. Dort stehe ich Ihnen gerne beratend zur Seite und führe Weinproben zu verschiedenen Themengebieten durch. Im Folgenden möchte ich Ihnen aus meiner Zeit als Assistant Winemaker erzählen.

        Wie alles begann...

        Bereits während meines Studiums und in der Zeit danach machte ich Erfahrungen im Weinbau in Deutschland (Baden, Rheinhessen, Rheingau), Frankreich, Italien und Spanien. Es zog mich aber schon lange ans andere Ende der Welt, um dort im hiesigen Frühling an einer Weinsaison teilzunehmen.

        Als Winzer gilt meine Leidenschaft den Trauben, diese direkt am Stock anzuschauen, sie zu probieren und sie schließlich zu Wein zu verarbeiten. Als sich mir Ende letzten Jahres die Möglichkeit bot, einige Monate auf einem neuseeländischen Weingut zu arbeiten, sprach ich meinen Filialleiter darauf an. Glücklicherweise hatte Herr Lodde Verständnis für mein Anliegen, ermöglichte mir eine Freistellung und somit die Reise nach Neuseeland.

        Ein wundervoller Tag auf dem Weingut.

        Dort verbrachte ich Anfang 2018 zweieinhalb wundervolle Monate auf einem kleinen Weingut, wovon ich nach meiner Rückkehr begeistert erzählte. So war Wolfgang auch nicht erstaunt, als ich meine Bitte für die diesjährige Lese wiederholte – und er unterstütze mich erneut.

        Rückkehr nach Neuseeland

        Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einem Hotel in Marlborough, einem breiten Tal im Norden der Südinsel und zugleich der größten Weinbauregion Neuseelands. Die Region zeichnet sind unter anderem aus durch die meisten Sonnenstunden im Lande und kühle Nächte. Hier wird vor allem der Sauvignon Blanc produziert, der seit einigen Jahren zum Aushängeschild neuseeländischer Weine geworden ist. Doch ist dies nicht die einzige Rebsorte, die hier angebaut wird.

        Die Weinszene ist hier durch große Player dominiert, die mehrere hundert Tonnen am Tag ernten. Derartige Weingüter sieht man kaum in Deutschland. Es gibt aber auch eine sehr interessante Palette an kleinen und mittleren Produzenten, die sich sehr viel Mühe geben, die verschiedenen Terroirs in die Flasche zu bringen.

        Rebberge in Marlborough, Neuseeland.

        Meine Arbeit als Assistant Winemaker"

        Hier in Marlborough arbeitete ich als „Assistant Winemaker“ und war Verantwortlicher für die Spätschicht auf einem 50 Hektar großen Weingut – das für die Region ziemlich klein ist. Nach der Erfahrung von neun Weinlesen finde ich diese Größe recht angenehm, weil man sich an allen Arbeitsschritten beteiligen kann.

        Vier andere Produzenten haben sich ebenfalls in die Räumlichkeiten eingemietet. So kam es, dass meine Kollegen im Keller auch beim Ausbau der Weine der anderen Produzenten mitarbeiteten. Dies ermöglichte uns, die diversen Ideen und Techniken hinter den Weinen kennenzulernen sowie uns mit den anderen Önologen auszutauschen.

        Außer Sauvignon Blanc - auf unterschiedlichen Arten ausgebaut - hatten wir die Chance auch mit anderen Rebsorten in unterschiedlichen Mengen und Ausbauarten zu arbeiten. Das heißt, dass es manchmal sehr kleine Partien (ein oder zwei Barriques) waren, während andere Male die gleichen Trauben in Edelstahltanks, großen Holzfässern und auch Betoneiern ausgebaut wurden.

        Unter den anderen Rebsorten fielen Chardonnay, Pinot Noir, Riesling, Grauer und Weißer Burgunder, Grüner Veltiner, Tempranillo und sogar Nebbiolo, Viognier und Exoten wie Petit Manseng.

        "Tasty" Riesling

        Die Arbeit auf einem kleinen Weingut bedeutet auch, dass das Team relativ klein ist. Das Besondere an der Arbeit in Neuseeland ist auch die Internationalität der zumeist saisonalen Mitarbeiter. Im Weinkeller bestand unser Team aus acht Mitarbeitern, von denen nur einer Neuseeländer war. Die anderen kamen aus Australien, Frankreich, den USA, Kanada, der Tschechischen Republik und in meinem Fall aus Argentinien/Deutschland.

        Harte Arbeit, die sich bezahlt macht

        Als ich am Tag nach meiner Ankunft im winzigen Blenheim-Airport, noch müde vom langen Flug zu arbeiten begann, hatte die Lese hatte kurz zuvor angefangen. Ein oder zwei Tanks waren schon mit Sauvignon Blanc und Sparkling-Grundweinen gefüllt.

        Es folgten etwa drei Wochen sehr intensiver Arbeit mit Arbeitstagen von 12 und mehr Stunden, während denen wir das Lesegut aus den verschiedenen Parzellen in Marlborough verarbeiteten und in Fässer füllten, wo sie während der Gärung glücklich vor sich hin blubberten.

        Während der Remontage wird die gärende Maische aus dem unteren Teil des Tanks abgezogen und in den oberen Teil gepumpt.

        Nach der schnellen Lese in Marlborough folgte eine Ruhephase. Gärkontrollen, gärende Moste in Barriques bringen und viel Arbeit mit den Rotweinen (Remontagen und Pigeage) war unser „täglich Brot“. So vergingen etwa zwei Wochen, bis die begehrten Trauben aus Central Otago endlich ankamen.

        Central Otago ist die am südlichsten gelegen Weinbauregion in Neuseeland und somit am kühlsten. Hauptsächlich ist diese für Wein junge Region bekannt für intensive und dennoch feine Pinot Noirs sowie Chardonnays.

        In den darauffolgenden Wochen hatten wir das Gefühl wir würden nochmal von vorne anfangen. Alle Maischetanks waren wieder voll mit Pinot Noir und Tempranillo nachdem wir trotz der guten Qualität dieses Jahrgangs intensiv am Sortiertisch nur das Beste in die Tanks durchließen haben. Nach zwei weiteren Wochen war die Lese endlich vollbracht. Das mussten wir auf jeden Fall ordentlich feiern!

        Selektion der Pinot Noir Trauben.

        Ein bisschen Entspannung muss sein!

        Trotz der harten und langen Arbeit konnte einige Momente finden um andere Betriebe zu besuchen, andere Weine zu probieren und warum nicht, auch etwas entspannen. So konnte ich Klassiker wie Cloudy Bay und eins von meinen Favoriten besuchen: Clos Henri.

        Beeindruckende Landschaft um das Weingut Clos Henri.
        Kapelle und Verkostungsraum auf Clos Henri.
        2016 Sauvignon Blanc Marlborough Clos Henri (Bio)
        2014 Pinot Noir Marlborough Clos Henri (Bio)
        2017 Pinot Noir Petit Clos Marlborough Clos Henri (Bio)


        Gleich danach war Zeit für den Abschied, denn Berlin wartet, und ich freue mich sehr darauf, Sie wieder in unserem Weinkeller begrüßen und beraten zu dürfen. Natürlich erzähle ich Ihnen gerne Weiteres über diese und andere Erfahrungen.  

        Weitere Impressionen aus meiner Zeit in Neuseeland: 

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